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Autor*innen im Gespräch 5: Bardia Monshi & Mathias Berthold („Positiv Denken allein hilft auch nicht.“)

Sonja
Geschrieben von Sonja

Über das fünfte Interview  in unserer Reihe „Autor*innen im Gespräch“ freue ich mich doppelt 😉 :

Bardia Monshi, Psychologe und Mathias Berthold, ehem. ÖSV-Läufer/Trainer und Mentalcoach berichten über ihren Weg zur gemeinsamen Buchveröffentlichung und beantworten u. a. folgende Fragen:

  • Welche Vor-/Nachteile hat es als Autoren-Duo zu schreiben?
  • Wie haben sie den Schreibprozess angelegt?
  • Braucht es eine Deadline?
  • Wie kam der Kontakt zum Verlag zustande?
  • Was war für Mathias die größte Herausforderung bei diesem Buchprojekt?
  • Welche Mentaltechnik hat Bardia beim Schreiben angewandt? (Stichwort: innerer Kritiker 😉 )

Vorstellung: 

Ich heiße Bardia Monshi, bin Psychologe, gründete und leite mit meiner Frau das Institut für Vitalpsychologie und das wichtigste: ich bin glücklich verheiratet und Vater von zwei Töchtern.

Mathias Berthold, Vater von zwei erwachsenen Kindern. Nach meiner Karriere als Leistungssportler im Bereich Ski Alpin und anschließend fast 25-jähriger Zeit als Trainer in diesem Bereich habe ich mich vor rund einem Jahr als Coach für Mentalstrategien und Persönlichkeitsentwickler selbstständig gemacht. Ich arbeite seit dieser Zeit mit Sportlern und Sportmannschaften, aber auch mit Managern aus der Wirtschaft, intensiv zusammen.

1. Wie ist euer Bezug/Zugang zum Schreiben?

Mein Zugang war vor allem angstbesetzt. Ich hatte große Probleme in Deutsch und als ich mit 12 Jahren zu hören bekam, dass ich keine Fantasie hätte und nicht schreiben könnte, da fiel ich ein Urteil: Ich werde nie freiwillig etwas schreiben.

Bardia

Bardia: Tja, dieses Trauma musste ich also einmal auflösen. Heute arbeite ich daran zu erforschen und zu begreifen, dass – wie Freud sagte – Worte ursprünglich Zauber waren.

Mathias: Ich hatte mich nie wirklich mit dem Gedanken auseinandergesetzt ein Buch zu schreiben. Aus diesem Grund kam das Angebot von Bardia sehr überraschend für mich. Schreiben hatte für mich schon immer eine sehr hohe Bedeutung. 

Geschriebene Dinge sind stets abrufbar und kommen dadurch nicht in Vergessenheit. Das ist für mich ein wesentlicher Punkt in der Zusammenarbeit mit meinen Athleten. Alles was aufgeschrieben ist erzeugt eine gewisse Verbindlichkeit gegenüber sich selbst und gegebenenfalls auch gegenüber anderen. 

Mathias

Mathias: Ein Buch zu schreiben ist im Vergleich dazu natürlich von wesentlich höherer Qualität, dennoch habe ich beim Schreiben dieses Buches mit Sicherheit davon profitiert jeden Tag Berichte zu schreiben, Gedanken zu notieren und Erfahrungen zu Papier zu bringen.

2. Wann hattet ihr die Idee ein bzw. dieses Buch zu schreiben? Wie kam es dazu?

Bardia: Ich bin Lehrgangsleiter eines Sportmentaltrainer-Lehrgangs und den hat Mathias besucht. Bei manchen Teilnehmern ist man nicht sicher, wer der Lehrende und wer der Studierende sein sollte. Er hat ja irre viel Erfahrung im absoluten Spitzensport und das begeisterte mich. So fragte ich ihn, ob er nicht mit mir ein Buch schreiben wolle.

Mathias: Dem ist aus meiner Sicht nicht mehr viel hinzuzufügen. Nach den zahlreichen guten und inspirierenden Gesprächen, die Bardia und ich im Laufe der Zeit geführt hatten, brauchte ich nicht viel Zeit dem Angebot von Bardia zu einem gemeinsamen Buchprojekt zuzustimmen.

3. Wie habt ihr den Schreibprozess angelegt?

Bardia: Wir haben uns vorgenommen, dass ich immer etwas Psychologisches zum Thema „Mentale Stärke im Dschungel des Alltags“ schreibe und Mathias, dann seine Erinnerungen und Erfahrungen zum Thema des Kapitels dazu schreibt. So entstand etwas Dialogisches zwischen uns.

Mathias: Wir hatten einen Projektplan und standen in ständigem Austausch. Logischerweise änderte sich unser Projektplan im Laufe des Prozesses beim einen oder anderen Thema etwas. Generell empfand ich es als einen sehr positiven und inspirierenden Prozess bei dem sehr viele positive Vibes entstanden und unsere gemeinsamen Ideen wirkten sich sehr befruchtend auf das Ergebnis aus.

4. Wie ging es euch damit, das Buchprojekt zu zweit umzusetzen? Welche Herausforderungen musstet ihr bewältigen? Welche Vorteile hat es als Autoren-Duo zu schreiben?

Bardia: Ich habe ja mit meiner Frau eine gemeinsame Dissertation geschrieben, da war alles sehr verschränkt und aufeinander aufbauend. Das war richtig komplex! Das Konzept war aus diesen Erfahrungen so angelegt, dass es für uns einfach wird:

1. abgeschlossene Einzelkapitel und

2. Bardia legt Theorie und seine Praxiserfahrungen vor und 

3. Mathias kommentiert aus seiner Erfahrungswelt.

Sehr simpel also. Aber es ist auch eine Kunst, es sich einfach zu machen. Und diese haben wir gemeistert, weil wir beide einander sehr respektieren und daher keiner dem anderen unangenehm reingefunkt hat.

Mathias: Das Buchprojekt zu zweit umzusetzen war aus meiner Sicht eher Vorteil als Herausforderung. Es entstanden dadurch immer interessante Sichtweisen des jeweils anderen, die man sehr gut in den eigenen Text verarbeiten konnte und dadurch ergab sich die Möglichkeit die Aussagen klarer zu formulieren.

Die größte Herausforderung für mich war der Faktor Zeit. Da ich zum Zeitpunkt als wir am Buch arbeiteten noch als Cheftrainer der Deutschen Herren Alpin Ski Mannschaft fungierte, war ich zeitlich sehr stark eingeschränkt und dadurch war die Zeit der kreativen Schreibphasen ziemlich limitiert.

Mathias

5. Euer Buch „Positiv Denken allein hilft auch nicht“* trägt den Untertitel „Mentale Kraft für den Dschungel des Alltags“: Habt ihr Mentaltechniken beim Schreiben des Buchs angewandt? Gibt es z. B. eine Übung/Technik, die ihr Schreibenden empfehlen könnt?

Implizit, ja definitiv. Es ist sehr wichtig, die innere Kritikerstimme ruhig zu halten und nicht innerhalb des Schreibprozesses zu laut werden zu lassen. Mit der war ich immer wieder im Dialog und sagte ihr: Du bist morgen dran, beim Durchlesen. Hilfreich ist auch für mich gewesen, darauf zu achten, Zeit zu haben, einzutauchen und einfach das Schreiben zu genießen.

Bardia

Bardia: Dafür musste ich mein altes Trauma, dass ich nicht Schreiben könnte, auflösen, indem ich es in meine Kindheitserfahrung einbettete. Auch hier ein liebevolles Anerkennen, die Erinnerung ist Ausdruck der Vergangenheit und heute bin ich in einem neuen Spiel. Sicherlich war das auch ein Grund, es mit Mathias zu schreiben, mit ihm hatte ich die Sicherheit, dass es toll werden würde.

Mathias: Ich denke wir haben im Buch zahlreiche Übungen und Techniken formuliert, die jedem Einzelnen in schwierigen Phasen und in herausfordernden Momenten helfen können. Ich möchte dabei speziell die elemental-App herausheben. Diese, von Bardia erstellte App, liefert zahlreiche, sehr wertvolle Anleitungen und Übungen, die auch die Sportler, mit denen ich zusammenarbeite sehr schätzen und auf konstanter Basis ausführen.

6. Wie kam der Kontakt mit dem Echomedia-Verlag, in dem euer Buch erschienen ist, zustande?

Bardia: Das letzte Kapitel lautet „Der Pfad des Gelingens“, darin beschreiben wir, dass es seltsame Zufälle gibt. Ich schreibe seit 2006 an drei verschiedenen Büchern, aber keines wurde fertig. Ich nahm mir deshalb einen weltberühmten Coach, Jeffrey Zeig, und der sagte mir: Du brauchst eine Deadline, sonst wird es nie fertig. Ich dachte davor, ich schreibe lieber in Ruhe ein Buch fertig. Gut, aber woher einen Verlag bekommen? Corina Rusa, eine Praktikantin in unserem Institut, erzählte mir dann, dass sie mir da helfen könnte, weil eine Bekannte von ihr eine Verlegerin ist und die mir sicher gute Ratschläge geben könnte. Wir machen einen Termin aus, ich erzähle ihr von der Buchidee, von der noch keine Seite geschrieben war und wollte nur allgemeine Tipps. Ilse Helmreich sagte mir sofort zu, dass sie es verlegen möchte. Da wusste ich, wir sind am Pfad des Gelingens mit den seltsamen Zufällen.

7. Habt ihr ein Korrektorat/Lektorat oder irgendwelche sonstigen Unterstützungen bei eurem Buchprojekt in Anspruch genommen?

Bardia: Ja, die Korrekturlesung hat der Verlag übernommen und das ist bei uns beiden dringend notwendig gewesen 😉 … ansonsten waren wir vollkommen frei.

8. Worauf sollen Menschen, die schreiben möchten achten?

Achte darauf, dass du etwas schreibst, was dir echt Spaß macht, wofür du dich begeistern kannst und organisiere dir eine Deadline -;)

Bardia

9. Habt ihr Schreibseminare besucht und/oder Bücher zum Thema „Schreiben“ gelesen, die ihr empfehlen könnt?

 

Bardia: Wir waren beide in so vielen Seminaren zu allem möglichen, aber nicht direkt zum Thema „Schreiben“, dennoch hat vieles was wir gelernt haben, da mitgespielt. Ich kann aber DICH (Anmerkung: Sonja) aus vollster Überzeugung zum Thema empfehlen!

10. Wie geht es weiter? Gibt es neue Buchprojekte?

Bardia: Ich plane schon das nächste Buch. Diesmal eines ganz alleine. Und wer weiß, nachdem Mathias und ich Textüberschuss produziert haben und wir kürzen mussten, vielleicht schreiben wir auch noch ein weiteres … was meinst Du Mathias?

Textmaterial haben wir auf alle Fälle noch im Überschuss 🙂

Mathias: Es gibt natürlich auch noch zahllose Themenfelder, über die wir schreiben könnten – deshalb, weshalb nicht.

Der Schreibprozess zu unserem Buch hat mich auch dazu inspiriert weiter zu schreiben. Durch meine derzeitige Arbeit lerne ich jeden Tag dazu, mache jeden Tag unglaublich interessante Erfahrungen, und ich habe dadurch bereits zahlreiche neue Ideen und sehr interessante Themen, die bereits auf Festplatte gespeichert darauf warten in Kapitel verpackt zu werden 🙂

Mathias

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Links: 

Hier findest Du weitere Infos: 

Bardia Monshi

Mathias Berthold

Du hast die ersten vier Folgen unserer Interviewreihe „Autor*innen im Gespräch“ versäumt? Hier kannst du sie nachlesen:

Interview 1: Alexander Greiner: „Als ich dem Tod in die Eier trat“

Interview 2: Klaus Rafenstein: „Der Weg zur exzellenten Führungskraft – Leuchtturm sein!“

Interview 3: Lena Raubaum: „Die Knotenlöserin“, „Qualle im Krankenhaus“, „Qualle im Tierheim“

Interview 4: Barbara Wimmer: „Tödlicher Crash“

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Bildquellen: Echomedia Verlag, Bardia Monshi, Mathias Berthold, Treffpunkt Schreiben

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